Lieber Piet, mit welchem Thema hast Du Deinen Abschluss gemacht?
Im Grunde mit Kulturförderung. Ich habe eine Vermarktungsplattform für junge Kunst entwickelt. Das Ziel war, zwei Zielgruppen zusammenzubringen: Menschen, die gerne Kunst zu Hause hätten, denen aber das nötige Kleingeld fehlt – und Künstler:innen, die noch zu unbekannt sind, um von ihrer Kunst zu leben. „Kunst für alle“ sozusagen, und damit das Gegenstück zu elitären Auktionshäusern wie Christie’s und Sotheby’s. Passend dazu habe ich die Plattform „Every’s“ getauft. Das Prinzip: Viele Menschen kaufen für kleines Geld ein Los für ihr Lieblingskunstwerk. Die Künstler*in bekommt das Geld aus dem Lostopf, und eine der Loskäufer*innen gewinnt. Basierend auf diesem Konzept habe ich ein Corporate Design entwickelt, eine Website skizziert und Werbemaßnahmen entworfen. Leider war die Gesetzeslage damals noch nicht so weit – heute könnte man das wahrscheinlich sogar umsetzen, also: Gewitzte Jurist:innen und kulturaffine Investor:innen, meldet euch :)
Wo war Deine erste Station nach Deinem Abschluss?
Meine erste Station war als Juniortexter bei Ogilvy in Düsseldorf, wo ich während des Studiums schon Praktikant war. Dort habe ich für Kunden wie Ford, Standard Life, HSBC und Fujifilm X-Series gearbeitet. Pro bono haben wir auch die Düsseldorfer Tafel betreut und damit ein paar Kreativpreise gewonnen. Das war cool und eine gute Schule, um zu lernen, was eine gute Idee von einer richtig guten Idee unterscheidet – und um die Ausdauer zu entwickeln, sich nicht mit weniger zufriedenzugeben.
Wie ging es dann weiter? Was machst Du jetzt?
Nach ein paar Jahren bei Ogilvy bin ich zu DDB gewechselt. Das war aber nur ein kurzes Intermezzo: Ich habe dort ziemlich schnell gekündigt und mich stattdessen selbstständig gemacht. Seit 2014 arbeite ich freiberuflich als Texter und Konzepter – immer wieder für Agenturen und Designbüros, aber auch zunehmend mit Fokus auf Markenentwicklung und Brand Voice für mittelständische Unternehmen, die in irgendeiner Form die Welt verbessern. Parallel habe ich mit Freunden ein Unternehmen gegründet, zu dem ich den Markennamen und das Corporate Design beigesteuert habe. Da bin ich aber eher beratender Teilhaber.
Was hat Dir am Studium in Krefeld besonders gefallen?
Ich fand die Leute super nett, das Umfeld kreativ und offen, familiär – und ich fand es gut, dass ich alles ausprobieren konnte und mich nicht auf irgendwas festlegen musste. Ich glaube, ich war auch generell geflasht davon, dass mich (anders als in der Schule) einfach alles interessierte. Die Profs hatten Ahnung (und Connections), die Stadt bot eine vielfältige, aktive Musikszene. Und am Ende gefiel mir natürlich, dass es Werbung-, Corporate Identity- und Textkurse gab, die ich glaube ich alle dreimal gemacht habe.
Möchtest Du aktuellen designkrefeld-Student:innen etwas mit auf den Weg geben?
Das ist tricky, weil ja jede:r andere Interessen und Ziele hat. Vielleicht etwas, von dem ich glaube, dass es mir nützlich war: Erstmal ein paar Jahre in einem guten Unternehmen lernen, wie der Hase läuft. Mir hat das geholfen, ein Qualitäts- und Realitätsverständnis zu entwickeln, von dem meine Arbeit heute noch profitiert. Und: Die Leute, die du dort kennenlernst (und die dich kennenlernen) sind später die besten Verbündeten, falls du dich mal selbstständig machst. Ich glaube, das war mit ein Grund, warum sich dieser Schritt bei mir von Anfang an getragen hat. Und ansonsten natürlich: Es ist nur Werbung. Und alle kochen mit Wasser.